Altenmarkt mit Kindern: der Bauernhof Sinnhubgut, Ausflüge und Urlaub mit der Bahn
- Devce z hor

- 23. Juli
- 6 Min. Lesezeit
Es gibt Orte, zu denen man fährt, weil man sie „gesehen haben muss“. Und dann gibt es Orte, zu denen man zurückkehren möchte. Altenmarkt im Pongau steht bei der Planung eines Österreich-Urlaubs mit Kindern wohl nicht auf den ersten Plätzen. Dabei hat der Ort mehr verdient – und ich habe wieder ein schönes Fleckchen Österreich entdeckt!
Je älter ich werde, desto weniger reizt es mich, weitere Punkte auf einer Liste abzuhaken. Früher habe ich mich über jeden neuen Gipfel oder jedes neue Tal gefreut. Heute macht es mir viel mehr Spaß, an bekannte Orte zurückzukehren und ihre unscheinbareren Ecken zu entdecken. Vielleicht liegt es an den Kindern. Oder an der Erfahrung. Wahrscheinlich an beidem ein bisschen.
Die Einladung auf einen Bauernhof in Altenmarkt im Pongau zu Ferienbeginn ließ sich nicht ablehnen. Ich, meine Schwester und drei unserer fünf Kinder hatten nichts vor. Die Ferien hatten begonnen. Wir mussten für eine Weile einen Gang zurückschalten und abschalten. Und dabei irgendwie die Kinder beschäftigen.


Mit dem Zug nach Österreich
Für solche Reisen ist der Zug ideal. Die Kinder können malen, lesen oder sich einfach unterhalten. Auf die Toilette geht man, wann man will. Österreich ist von einem hervorragenden Bahnnetz durchzogen. Niemand muss mehrere Stunden hinterm Steuer sitzen und nach der Ankunft startet ihr ausgeruht in den Ausflug.
Die Fahrkarten kaufe ich ein paar Tage im Voraus (sie sind deutlich günstiger), über die App der tschechischen Bahn. Ich gebe nur den Start- (Brünn) und den Zielbahnhof (Altenmarkt) ein und schon bekomme ich Verbindungen angeboten, kann eine Platzreservierung dazukaufen und mir die Sitzplätze aussuchen. Kinder fahren fast umsonst (konkret rund 8 €), für eine erwachsene Person habe ich etwa 60 € für die Hinfahrt bezahlt, einen ähnlichen Betrag für die Rückfahrt.
In Altenmarkt selbst funktionieren die Öffis außerdem so gut, dass man nicht für jeden Weg ein Auto braucht. Mit der örtlichen Gästekarte SalzburgerLand Card fahrt ihr zusätzlich kostenlos mit dem Bus. Zum Bauernhof Sinnhubgut, wo wir gewohnt haben, hätten wir zu Fuß gehen können (2 km). Die Familie war aber sehr entgegenkommend und hat uns mit dem Auto vom Bahnhof abgeholt.


Der Morgen beginnt bei den Kälbchen
Unsere Basis war für ein paar Tage der Hof Sinnhubgut. Genau die Art von Unterkunft, bei der sich die Kinder freiwillig schon um 6:30 Uhr aus dem Schlafanzug umziehen, nicht einmal frühstücken, sondern als Erstes fragen, ob sie schon zu den Kätzchen dürfen. Und sie liefen. Auch die Älteren (im Alter von 5, 10 und 11 Jahren).
Kätzchen, Kälbchen, Kaninchen, Heuduft, Traktoren und viel Platz. Es sind keine Dinge, wegen derer man durch halb Europa fahren würde. Aber es sind genau die Kleinigkeiten, an die sich Kinder nach Jahren viel mehr erinnern als an die Anzahl besuchter Gipfel. Ich kam mir vor wie auf dem Dorf meiner Kindheit (wir hatten auch Kaninchen, Heu, eine Scheune …).
Dabei liegt der Bauernhof nicht irgendwo am Ende der Welt. Innerhalb weniger Minuten seid ihr mit dem Auto oder Bus bei den Bergbahnen, auf Wanderwegen oder bei weiteren Ausflugszielen. So bekommt man das Beste aus beiden Welten – die Ruhe des Landlebens und ein perfektes Umfeld für Bergausflüge.
Wir hatten ein Apartment zur Verfügung, zwei Schlafzimmer, zwei Badezimmer, eine voll ausgestattete Küche und einen Balkon mit Blick auf den ganzen Hof. So konnten wir morgens bis zehn Kaffee trinken und über die Geranien hinweg zusehen, wie die Kinder Traktor auf dem Rasen spielen. Am Hof wird nicht gekocht, aber ihr könnt euch zum Frühstück alles bestellen, worauf ihr Lust habt, und 300 Meter vom Hof entfernt ist ein toller Gasthof, in dem hervorragend gekocht wird.
Schon nach der ersten Stunde haben wir uns hier wie ein Teil der Familie gefühlt. Die Familie, die den Hof betreibt, hat den Kindern nach und nach alles gezeigt, vom Melken der Kühe bis zum Füttern der Kälbchen auf der Weide (wohin die Kinder mit dem großen Traktor gebracht wurden), morgens gibt es zum Frühstück frisch gemolkene Milch und die ganze Zeit stehen Kaffeemaschine und Apfelmost bereit. Was könnte besser sein?



Österreich, das Kindern Spaß macht
An Österreich fasziniert mich seit Jahren eine Sache. Die Österreicher sehen Kinder nicht als jemanden, den man unterwegs beschäftigen muss. Im Gegenteil. Hier werden ganze Berge darauf ausgerichtet, dass der Ausflug wirklich allen Spaß macht.
Irgendwo wartet ein riesiger Holzspielplatz, anderswo eine Wasserwelt, ein Barfußweg, Klettergerüste, Seilhindernisse oder eine Erlebnisstation. Die Kinder haben dabei nicht einmal das Gefühl, dass sie bergauf gehen. Und die Eltern merken nach ein paar Stunden, dass sie mehrere Kilometer ohne einen einzigen Protest hinter sich haben. Ich habe zwei Ausflüge herausgegriffen, die für die Kinder ideal waren (ansonsten sind der Fantasie hier keine Grenzen gesetzt):

Gamskogelbahn
Wenn ihr in Altenmarkt untergebracht seid und die örtliche Gästekarte bekommt (ab drei Übernachtungen erhaltet ihr sie in der Unterkunft kostenlos), lohnt es sich gleich herauszufinden, welche Vorteile sie bietet. Dank ihr war für uns die Fahrt mit der Gamskogelbahn kostenlos. Noch vor dem Einsteigen haben wir uns unten eine Stempelkarte abgeholt. Und damit begann das Spiel.
Entlang des Kinderwegs warten mehrere Stationen. An jeder stanzen die Kinder mit einer Zange das richtige Symbol in die Karte. Am Ende geben sie die Karte ab und es wartet eine kleine Belohnung. Ich verrate nicht, welche. Der Zauber der Entdeckung gehört dazu. Ehe ihr euch verseht, habt ihr mehrere Kilometer hinter euch. Manchmal aber auch mehrere Stunden :) Die ganze Strecke ist auch mit einem geländegängigen Kinderwagen befahrbar.



Arche Gipfel
Wem der Kinderweg nicht reicht, der kann noch auf den Arche Gipfel hinaufsteigen. Auch fünfjährige Kinder schaffen das problemlos. Auf der Karte ein unscheinbarer Berg – und es öffnen sich Ausblicke auf Dachstein, Hochkönig und Watzmann. Kurz gesagt: eine halbe Stunde bergauf, Aussicht über die halben Alpen.
Verpflegung: an der Bergstation gibt es ein angenehmes Restaurant, ebenso könnt ihr unten am Zauchensee essen, wo ihr den ganzen Tag noch mit einem Spaziergang um den See verlängern könnt. Mit dem Direktbus fahrt ihr dann wieder zurück nach Altenmarkt. Generell ist es ein sehr schönes historisches Städtchen, das ebenfalls einen Besuch wert ist.


Wildpark Untertauern
Am nächsten Tag haben wir ein völlig anderes Tempo gewählt. Mit dem Bus sind wir über Radstadt (ein weiterer Ort, der einen Besuch wert ist) von Altenmarkt zum Wildpark Untertauern gefahren. Ihr findet hier keinen riesigen Zoo und keine Attraktionen, die die Kinder von allen Seiten anblinken. Stattdessen erwartet euch ein angenehmer Spaziergang zwischen den Gehegen mit Tieren, den auch kleinere Kinder schaffen. Der Eintritt ist freiwillig (QR-Code), der Rundweg auch mit Kinderwagen machbar.
Verpflegung: im Sommer gibt es hier ein Bistro, weiter unten an den Teichen werden Forellen gegrillt. Ansonsten könnt ihr zurück nach Radstadt fahren und dort essen oder zumindest ein Eis holen.


Was wir diesmal nicht geschafft haben
Ursprünglich hatten wir noch Spielplätze und Bergbahnen in Flachau oder Wagrain geplant. Nur begannen einige den Sommerbetrieb erst ein paar Tage später. Das hat uns überhaupt nicht gestört: einerseits waren zu Ferienbeginn hier kaum Leute (Österreich hatte noch keine Ferien) und andererseits sind diese Bergbahnen nicht mehr Teil der Gästekarte, sodass wir nicht das Gefühl hatten, etwas zu verpassen. Stattdessen waren wir noch in der Therme Amadé baden, dem Thermalbad direkt in Altenmarkt. Dorthin sind wir zu Fuß gegangen, zurück hat uns unser Gastgeber mitgenommen, der hier regelmäßig schwimmen geht.

Praktische Tipps
Das Sinnhubgut in Altenmarkt ist eine großartige Wahl für Familien mit Kindern. Der Hof bietet ein ruhiges Umfeld, Kontakt mit Tieren und eine hervorragende Lage für Ausflüge in die Umgebung. Selbst wenn ihr meine Ausflugstipps nicht nutzen solltet, werdet ihr euch hier nicht langweilen, glaubt mir, ruhig auch einen ganzen Tag lang nur auf dem Hof. In der Umgebung des Hofes führt auch ein Radweg, man kann zum nahe gelegenen Badesee fahren, Räder leiht euch der Hof gerne aus.


Wie viele Tage sollte man einplanen?
Für mich mindestens vier bis fünf Tage. Wir waren drei Nächte da und das war wirklich kurz, auch wenn es erholsam war. Wir sind mit dem Gefühl abgereist, dass wir bei Weitem nicht alles geschafft haben. Und eigentlich hat uns das nicht einmal gestört. Denn manche Orte sind nicht dafür da, dass man sie einmal sieht. Sie sind dafür da, dass man zu ihnen zurückkehrt. Die jüngste Mája hat auf dem Heimweg nur lakonisch bemerkt: nächstes Jahr vergleichen wir wenigstens, ob das Pony noch wächst.


Über die Autorin
Ich heiße Marie Klementová und verbringe den größten Teil des Jahres in den Bergen. Als internationale Bergwanderführerin (UIMLA) führe ich durch die Alpen und den Himalaya, schreibe über Berge, halte Vorträge und versuche zu zeigen, dass man in die Berge nicht nur wegen der Leistung aufbrechen kann, sondern vor allem wegen der Erlebnisse. Auch mit dem Zug. Ich schreibe einen Outdoor-Blog, nicht nur mit Ausrüstungstipps, sondern generell über Trekking und Reisen mit Kindern – alles von Orten, die ich selbst durchwandert habe.
📍 Blog: www.devcezhor.cz
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